Eifel Rennvorbereitung
Gefahrenzone Eifel - Eine Mischung aus Spaß und Risiko, aber eine gute Vorbereitung für die nächsten Rennen
Der frühe Vogel...
Um 6 Uhr ging es aus den Federn. Die Haferflocken hatte ich mir am Abend vorher schon in Milch eingelegt, damit sie besser zu verdauen sind und so schnitt ich an diesem Samstagmorgen noch eine Banane und ein paar Blaubeeren in das Müsli, ehe es mit Quark, natürlich 40% Fett, und Mascarpone verfeinert wurde. Das übliche Frühstück für einen anstrengenden Renn- oder Trainingstag. Da knapp 200 Kilometer mit 2.200 Höhenmetern auf dem Plan standen, konnte ich annehmen, dass es keine lockere Trainingsrunde werden würde.
Hinzu kam noch, dass sich neben Daniel und Fabian auch Thomas aka FTP angekündigt hatte. Ich würde die drei nicht gerade als Kaffeerundenfahrer bezeichnen, also stand ein harter Tag auf dem Plan.
Nach dem Frühstück, ab in den Scuderia Dress. An diesem Morgen zeigte das Thermometer lediglich 10 Grad an, also zog ich auch noch Weste und Armlinge an.
06:40 Uhr Abfahrt Neusser Platz. Also blieb nicht viel Zeit zum Trödeln. Fabian, der ebenfalls aus der Kölner Nordstadt kommt und ich, machten uns auf den Weg in den Kölner Westen, wo wir um 07:00 Uhr Daniel und Thomas trafen.
Locker einrollen und wach werden
Gut, dass ich die Weste und die Armlinge angezogen hatte. Es war für einen Juli Sommermorgen wirklich überraschend kühl und außerhalb der Stadt, auf den freien Feldern der Voreifel, zog es doch ganz ordentlich.
Wir fuhren die ersten 50 Kilometer recht gemütlich in Richtung Kreuzau. Der Wind kam zwar von vorne, allerdings war er nicht sonderlich stark, sodass wir nach einer Stunde und vierzig Minuten in den noch recht verschlafenen Ort Kreuzau kamen.
Hier wurden direkt Erinnerungen an das Lizenzrennen Rund um Düren geweckt. Das wohl schönste Lizenzrennen, das ich je gefahren bin. In diesem Jahr stand ich in Göttingen beim GCC Rennen am Start, als sich die Lizenzfahrer wieder auf den Weg durch die Eifel machten. Im nächsten Jahr wird das hoffentlich wieder anders sein.
Erster von acht Anstiegen
Kurz hinter Kreuzau begann die erste Steigung. Sie führte von Obermaubach nach Brandenberg. Drei Kilometer bei 7%iger Steigung im Schnitt. Meine Beine waren noch nicht ganz wach und so hatte ich schon die Befürchtung, dass es ein langer und anstrengender Tag werden würde. Mit knapp 300 Watt im Schnitt hatte ich oben die erste Sweetspot Einheit absolviert. Das Tempo passte mir ganz gut, da wir ja noch ein paar weitere Berge vor uns hatten.
Oben schaltete ich erst einmal meine Kamera ein. Ich wollte unbedingt die langen Abfahrten und die daraus resultierenden langen Anstiege festhalten. Einen Zusammenschnitt findet ihr am Ende des Beitrags.
Rurtalsperre wir kommen
Nachdem wir nun Teile der Rund um Düren Strecke gefahren waren, ging es weiter in Richtung Rurtalsperre. Daniel hatte mich gebeten eine Strecke zu basteln, die möglichst lange Anstiege bietet. Im Bergischen Land, wo wir sonst häufig unterwegs sind, findet man meist nur Berge der vierten Kategorie. Also relativ kurze Anstiege mit ca. 2 Kilometern und dafür aber dann teilweise relativ steil mit bis zu 10 oder 15% im Schnitt.
Um die Rurtalsperre sieht das etwas anders aus. An diesem Tag sind wir fünf Berge der dritten Kategorie gefahren. Sie sind weniger steil, aber haben eine Länge von ca. vier Kilometern. Mir persönlich gefallen diese Anstiege deutlich besser, als die kurzen steilen Rampen. Ich bin ein Freund von gleichmäßiger Belastung und das hat man bei längeren Anstiegen deutlich öfter, als bei Kurzen.
Hövel Runde und Eifler Gehirnlose
Auf der Abfahrt nach Mariawald begegneten wir dann der Hövelrunde, die regelmäßig den Weg in die Eifel sucht. Ich selbst bin dort noch nie mitgefahren, kann deshalb wenig zu der Ausfahrt sagen. Ich weiß nur, dass immer wieder bekannte Namen wie André Greipel, Phil Bauhaus oder Nils Politt dabei sind.
In Heimbach suchten wir die Tankstelle auf, wo wir weitere Fahrer der Hövelrunde trafen. Ein paar bekannte Gesichter waren auch dabei, die schon einige Male bei der Scuderia dabei waren. Die Kölner Radsportszene ist zwar groß, aber irgendwann kennt man doch viele Gesichter und trifft diese immer wieder. Ich persönlich freue mich immer, wenn ich Gleichgesinnte treffe.
An der Tankstelle deckten wir uns dann mit neuen Getränken und der ein oder andere mit neuen Riegeln ein. Ich hatte bis dahin meine Notfallbanane und mein Notfallgel in der Tasche gelassen und spürte auch weiterhin kein Hungerfühl. Nur meine beiden Trinkflaschen waren leer und somit füllte ich sie mit Wasser auf.
Kurz bevor wir losfuhren stieg ein Mädel aus dem Auto ihres Freundes und kaufte sich in der Tankstelle etwas zu essen. Als sie wieder herauskam, stieg sie mit den Worten "und jetzt fahr sie platt" ins Auto ein. Ich habe in dem Moment nicht so schnell reagieren können, ärgere mich aber immer noch sehr über diese Aussage, womit sie uns gemeint hatte. Gerade jetzt wo wieder ein Radsportler, auf Grund des Fehlverhaltens eines Autofahrers, sein Leben lassen musste, sind dies Kommentare, die einen verzweifeln lassen.
Auch am Samstag kamen wir immer wieder in Situationen bei denen wir geschnitten wurden, Autos riskante Überholmanöver wagten oder Motorradfahrer die Straßen als Rennstrecken genutzt und damit unser Leben aufs Spiel gesetzt haben. Auf Gran Canaria hatte ein Radsportpärchen Stangen an ihren Rennrädern befestigt, die 1,5 Meter in die Straße ragte. Manchmal wünschte ich, ich hätte eine solche Stange dabei, damit die Autofahrer Abstand halten.
50 Kilometer flach zum Ziel
Von Heimbach ging es noch einmal kurz bergauf, ehe es nach Köln nur noch bergab ging bzw. flach war. An dieser Stelle muss ich sagen, dass die Gruppe wirklich hervorragen zusammenpasste. Die Anstiege wurden komplett zusammengefahren, es gab niemanden, der sich über oder unterfordert fühlte und auch als wir in Einerreihe zurück nach Köln rollten, lief es super rund. Es gab keine Momente, wo man mal in den roten Bereich gehen musste, sondern die Belastung war sehr gleichmäßig, wenn auch nicht niedrig.
Fazit - Trainingsanalyse
Es hat mir großen Spaß bereitet diese Tour mit Fabian, Thomas und Daniel zu fahren und ich bin froh, dass wir so früh losgefahren sind. Somit konnten wir wenigstens die ersten Stunden in der Eifel noch ohne viel Verkehr genießen. Zur Vorbereitung auf den Arlberg Giro, an dem Daniel und Fabian teilnehmen und für mich als Vorbereitung für Rad am Ring, war diese Einheit wirklich toll. Lange Anstiege findet man nämlich bei beiden Rennveranstaltungen.
Am Ende standen knapp 200 Kilometer auf dem Tacho. Durchschnittliche Belastung bei 210 Watt und eine Geschwindigkeit von 30km/h. Nach 6,5 Stunden landeten wir wieder in Köln und hatten somit noch viel Zeit für unsere Liebsten ;)
Begeistert bin ich immernoch davon, dass ich während der ganzen Zeit nichts, also wirklich garnichts gegessen habe. Ich habe lediglich Wasser getrunken und hatte nie das Gefühl, dass mein Körper Nahrung benötigt.
Im Rennen würde ich natürlich regelmäßig ein Gel zu mir nehmen, aber bei so einer gleichmäßigen Belastung, die kaum in den oberen Bereichen stattfindet, braucht mein Körper mittlerweile keine Zufuhr mehr. Ich habe lediglich 30 Minuten der ganzen Ausfahrt oberhalb der Schwelle trainiert. Der größte Teil hat im GA1/GA2 Bereich stattgefunden. Wenn ich das beispielsweise mit Rund um Köln vergleiche, dann ist gut zu sehen, dass ich fast die doppelte Zeit über der Schwelle war und auch deutlich länger oberhalb von 415 Watt, was mein VO2Max Bereich ist. Bei solchen Spitzen, die im Rennen immer wieder kommen, ist es für den Körper enorm wichtig auch Kohlenhydrate zur Verfügung zu haben und deshalb ist eine regelmäßige Nahrungsaufnahme entscheidend. Bei Trainingsausfahrten, die zwar auch intensiv sind und diesmal auch sehr lang, aber keine extremen Spitzen aufweisen, habe ich es durch die low carb Ernährung und durch gezieltes Training geschafft, dass mein Körper mit einer geringen Kohlenhydrataufnahme vor der Einheit ausreichend versorgt ist und sich die restliche Energie aus den Fetten zieht, die eine deutlich längere Energiequelle sind, wie man an der langen Trainingseinheit sieht.
Mit der Entwicklung, die ich durch meine Ernährung erreicht habe, bin ich mehr als zufrieden und bin froh, dass ich eine komplette Ernährungsumstellung im Winter gewagt habe.
Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Video und freue mich über euer Feedback.
Der nächste Bericht folgt dann in der kommenden Woche zu Rad am Ring.
Bis dahin.
Radsportliche Grüße
Healthy Roadbike