Tag 21 Turangi - Ohinepane
Weiße Spitzen am Horizont - The Forgotten World Highway Teil 1
84km mit fast 1.250 Höhenmetern
Ich denke dieser Tag hat die Latte für die kommenden Wochen ganz schön hochgehängt. Ein absoluter Traumtag!
Start in den Tag
So richtig wohl habe ich mich heute morgen irgendwie nicht gefühlt. Die Beine waren noch ganz schwer von der Wanderung und sonst war meine Motivation, meine warme Cabin zu verlassen, nicht besonders groß.
Doch ich wollte ja weiter und so sprang ich unter die heiße Dusche, packte meine Sachen zusammen, machte mir etwas zum Frühstück und dann ging es um kurz nach 10 in Turangi los.
Radfahrer Wetter vom allerfeinsten
Die ersten zwanzig Kilometer kannte ich schon von vorgestern. Hier war ich mit den letzten Kräften und mit viel Gegenwind nach Turangi gefahren. Wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann, wenn das Wetter ein ganz anderes ist.
Ich hatte zwar keinen Rückenwind, aber es war fast windstill und die Sonne schien. Perfektes Wetter für einen tollen Tag.
Ich glaube ich hatte auf den ersten 7 Kilometern einen Schnitt von 27 kmh auf flacher Strecke. Zwei Tage zuvor waren das noch zehn kmh weniger. Doch mir standen heute viele Anstiege bevor. Wie hoch es hinauf gehen würde, hatte ich allerdings nicht auf dem Schirm.
Bergankunft auf knapp 1.000 Metern
Nachdem ich auf den ersten zwanzig Kilometern gut ins Schwitzen kam und ein paar Fotos vom Lake Taupo machte, ging es nach einer etwas längeren Abfahrt erst einmal wieder bergauf. Der Verkehr war sehr angenehm und ich dachte, dass es jetzt wellig in Richtung Taumarunui gehen würde und wahrscheinlich eher kleinere, steilere Anstiege, so wie fast bisher immer.
Doch da lag ich falsch. Es gab quasi einen langen Anstieg. Dieser war ca. 15 Kilometer lang und ich wollte es mir nicht nehmen lassen, bis nach ganz oben auf den Berg, dem Lookout zu fahren. Das lohnte sich. Der Ausblick war sehr beeidrucken und man hätte sogar schon mein Ziel der nächsten Tage sehen können, wenn ein Baum nicht im Weg gewesen wären.
Der Lake Taupo und die Vulkane um den Tongariro, also die höchsten Berge der Nordinsel, schneebedeckt in voller Pracht. Wie vorhergesagt, wäre das der richtige Tag für das Tongariro Crossing gewesen. Doch für mich ging es auf dem Rad weiter und kurz nachdem Aussichtspunkt, sah man das nächste Higlight, den Mount Taranaki. Auch schneebedeckt. Dort werde ich übermorgen ankommen und am Tag darauf die Wanderung machen.
Lange erholsame Abfahrt - das Gepäck hält
Wie mir oben am Lookout schon ein Kiwi verriet, ging es die nächsten Kilometer erst einmal nur bergab. Das war super und eine tolle Erholung nach dem langen Anstieg. Bei so einer Abfahrt, gerade bei Geschwindigkeiten um die 60 kmh ist es aber auch immer eine Frage, ob das Gepäck gut hält. Doch mittlerweile habe ich alles so gut gepackt, dass es super gut auf solchen Abfahrten läuft. Natürlich ist es etwas ganz anderes mit dem Rennrad ohne Gepäck herunterzufahren, aber dadurch, dass die Straßen wirklich selten Schlaglöcher haben, ist die Gefahr relativ gering, dass man in eine Bodenwelle oder ein Loch jagt und das Rad evtl. darunter leiden könnte.
Mittagspause in Taumarunui
Für eine Mittagspause war es eigentlich schon recht spät mit 14 Uhr, aber ich wollte in Taumarunui die Möglichkeit nutzen und ein bisschen für die nächsten Tage einkaufen und so fand sie heute halt etwas später statt. Von dort waren es auch nur noch 18 Kilometer bis zum Campingplatz, aber ich genoss die Zeit in der Sonne und gönnte mir ein Ginger Beer. Ginger Beer habe ich übrigens vor kurzem erst in Deutschland entdeckt und bin seitdem total davon angetan. Der süße Geschmack gepaart mit der Schärfe vom Ingwer ist einfach klasse. Hat natürlich viel Zucker, aber keinen Alkohol. Kann man sich ab und zu mal gönnen. Gerade wenn es knapp 25 Grad warm ist und man schon tausend Höhenmeter hinter sich hat.
Ab auf den Forgotten World Highway
Kurz nach Taumarunui beginnt der forgotten world highway. Dieser heißt so, da er der am wenigsten befahrene Highway Neuseelands ist. Mit 200 Autos am Tag, für einen Highway wirklich überschaubar. Ich habe mich richtig darüber gefreut, als ich das gelesen habe.
Nachdem ich ja schon landschaftliche Highlights auf dem Weg zur Mittagspause genießen konnte, ging es auf den letzten Kilometern sofort so weiter. Wahnsinnige Eindrücke entlang des Whanganui Rivers. Saftig grüne Wiesen mit steilen Abhängen und das alles bei diesem klasse Sonnenschein. Da habe ich noch einmal gemerkt, was es ausmacht, wenn man mit dem Fahrrad über die Insel fährt und nicht mit dem Bus oder dem Auto o.Ä. Man spürt so viele süße Düfte in seiner Nase, man hört immer wieder neue Vogelgesänge, die Sonne brennt auf der Haut. Man hört das Wasser des Flusses, die Steine, wie sie die Abhänge runterjagen, die Kühe, die wie verrückt vor einem Radfahrer wegrennen. Man hat so viel Zeit diese Eindrücke zu genießen und jagt nicht nur durch die Landschaft.
Der Campingplatz ist auch sehr schön. Direkt am Fluss gelegen, ich war auch direkt einmal schwimmen und eine große Wieser, auf der man zwischen Kühen, Schafen und Hühnern campen kann. Natur pur plus Trinkwasser und Toiletten.
Heute war so ein Tag, an dem ich sehr dankbar dafür bin, dass ich diese Möglichkeit hier bekomme und ich weiß genau, dass das vielleicht die letzte lange Radreise meines Lebens sein wird, aber ich werde das Fahrrad in Zukunft viel öfter als Reisemittel nutzen. Es ist einfach nur traumhaft in solch einer Landschaft bei diesem Wetter zu fahren. Da leidet man auch gerne mal an anderen Tagen, damit man solche Momente wieder genießen kann.
Radsportliche Grüße
Healthy Roadbike