Tag 37 Hokitika - Whataroa
Fernab der Straße mit Alpenpanorama und enttäuschender Begegnung
Fernab der Straße mit Alpenpanorama und enttäuschender Begegnung
Ich hatte mich gestern abend spontan dafür entschieden anstatt die 75 Kilometer nach Hari Hari, die Strecke auszudehnen und bis nach Whataroa zu fahren. Dort habe ich dann noch kurzerhand einen privaten Driveway gebucht. Für 30 Dollar zwar, aber es hörte sich sehr gut an und es ist die einzige mögliche Unterkunft. Also standen dann heute knapp 110 Kilometer auf dem Programm.
Start in den Tag
Da die Strecke nun doch länger geplant war, als zuvor, wollte ich auch früh raus und so klingelte um halb sieben der Wecker. Doch ich war auch noch zum Telefonieren mit meinem kleinen 1,5 jährigen Neffen verabredet, der ja zeitig ins Bett muss. Also ging ich direkt in die Küche und machte mein Frühstück, sodass ich um sieben beim Frühstück telefonieren konnte. Das Telefonieren via Video, klappte auch recht gut und so war es wirklich schön den Kleinen und meine Schwester nochmal zu sehen. Bin ich ja froh, dass er mich noch erkannt hat und auch noch daran interessiert ist mit mir zu sprechen. Ihn vermisse ich besonders.
Johannes machte sich heute einen Ruhetag und somit frühstückte er ganz entspannt in der Sonne, als ich meine Sachen zusammenpackte.
Die ersten 50 Kilometer fernab des Highways
Also ging es für mich wieder alleine weiter. Ich hatte die Route aber so weit möglich, fernab des Highways gebastelt und so waren die ersten 50 Kilometer ziemlich ruhig. Zu erst ging es etwas durch das Hinterland, an den Bergen vorbei und dann über den Rail Way Trail, zwischen Bergen und Meer.
Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man links von sich die schneebedeckten Berge sieht und rechts von sich das Meer hört und die Luft ganz salzig ist. Der Rail Way war wirklich sehr gut, auch wenn es eine Gravelroad war. Ich konnte kontinuierlich mein Tempo fahren und es war alles ganz flach.
Seen- und Alpenschönheiten
Nachdem Trail, fuhr ich ein kurzes Stück auf dem Highway, ehe es wieder auf eine Gravelroad ging. Am Ende der Straße, als ich wieder auf den Highway fuhr, traf ich eine Bikepackerin. Ich glaube sie war eine Kiwi und sie fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Ich sprach kurz mit ihr und empfahl ihr meine Route zu nehmen. Für sie ging es also ruhig weiter. Ich wiederum hatte keine Alternative, als den Highway zu nehmen. Dieser war aber überraschend ruhig und ich traf in erster Linie Touristen. Die Landschaft wurde immer alpiner und so kam ich dann diesen wunderschönen See, der die umliegenden Hägel spiegelte und das dicht bewachsene Ufer noch mehr an einen Regenwald erinnern ließ.
Die weißen Spitzen der Alpen kamen immer näher und ich wusste, dass ich es nun nicht mehr weit bis zum Ziel hatte.
Ich überquerte nun immer mehr der "One Lane Bridge". In Neuseeland gibt es tausende Brücken und verrückterweise sind viele davon nur einspurig. Insbesondere auf der Südinsel ist das schon sehr auffällig. Beeindruckend war aber besonders das Wasser, was nun durch die Flüsse floss. Es war sehr klar und richtig hell blau. Gletscherwasser von den 3.000ern der Alpen. Ich will garnicht wissen, wie kalt es wohl ist, wenn man da mal reinspringt. Ich habe es nicht ausprobiert. Es sah schon von Weitem kalt aus.
Josh lässt mich warten und warten
Um ca. halb drei kam ich Whataroa an. Ich fand die private Unterkunft nicht direkt, deshalb fragte ich bei einem Anbieter für Helikopterflüge zu den Gletschern direkt einmal nach. Dort traf ich, wie sich nachher heruasstelte, die Mutter von Josh. Josh vermietet seinen Garten an Reisende und die Kritiken auf Camper Mater, der App, die ich für meine Unterkunftssuche immer nutze, waren durchgehend gut.
Seine Mutter meinte, dass er noch im Helikopter sitzt, sie ihn aber versucht anzurufen. Ich sagte, dass ich in der Zeit zum Kiosk gehen würde, mit etwas zu essen und zu trinken kaufen. Als ich wieder zurück kam, hatte sie ihn leider noch nicht erreicht. Sie meinte, dass er aber immer schnell zurückruft. Also wartete ich auf einer Bank vor dem Geschäft und hoffte, dass ich wenigstens schon einmal mein Zelt bei ihm im Garten aufbauen könne. Ich döste etwas auf der Bank und es tat sich nichts.
Nach einer Weile kam sie heraus und als ich sie fragte, ob ich denn schon einmal mein Zelt aufbauen könne, führte sie mich zum Haus, welches direkt gegenüber war und zeigte mir, wo ich das Zelt aufbauen könne. Sie sagte, dass ihr Sohn normalerweise um 18 Uhr zurück sei.
Ich war schon etwas genervt, weil in dem Ort gab es nichts zu tun und es gab auch keine Wanderwege o.Ä. Whataroa ist einfach ein Durchgangsort kurz vor den Gletschern Franz Josef und Fox.
Ich baute also mein Zelt auf und wartete wieder. Um halb sieben war er immer noch nicht da und ich checkte noch einmal meine Reservierung. Dort sah ich, dass er eine Handynummer angegeben hatte. Ich schrieb ihm also um 19 Uhr eine Nachricht und fragte, wann er denn kommen würde. Er antwortete nur kurz, dass er auf dem Weg sei. Eine dreiviertelstunde später flog der Helikopter ein und eine weile später lernte ich dann Josh endlich kommen.
Sehr reserviert und zurückhaltend zeigte er mir kurz was ich nutzen durfte und verzog sich dann in sein Haus.
Ich war wirklich sehr enttäuscht. Vom netten und tollen Host war irgendwie nicht viel zu merken. Die selbstgebaute "Außenküche" bot auch nicht wirklich viel. Sein Badezimmer durfte ich mitbenutzen und das war auch wirklich sehr schick und modern. Doch für 30 NZD die Nacht hätte ich wirklich mehr erwartet und vorallem hätte ich gedacht, dass wir ein bisschen kommunizieren. Doch ich habe dann nur schnell geduscht, mir etwas mit meinem Gaskocher gekocht und dann bin ich ab ins Zelt, wo ich jetzt noch diese Zeilen tippe.
Die erste Unterkunft, die ich so nicht erwartet hatte und diesem schönen Tag, mit dieser wunderbaren Landschaft, leider einen kleinen Dämpfer versetzt.
Radsportliche Grüße
Healthy Roadbike